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Samstag, 26. November 2011

Taub

Hier eine neue Kurzgeschichte. Irgendwie hatte ich große Lust etwas richtig deprimierendes zu schreiben. Und das ist es:


Stehen. Völlige Ruhe. Die Gedanken ordnen sich. Die Nacht weicht dem Tag. Doch ich bleibe. Ich bleibe und genieße. Der Wind küsst mir die Arme und hinterlässt eine wohlige Gänsehaut. Der Nebel wabert um meine nackten Beine. Versteckt sie und bald meinen gesamten Körper.
Ich löse mich auf. Verschmelze mit meiner Umgebung. Die Bäume heißen mich willkommen. Das Gras bettet mich auf zarten Halmen. Blumen legen mir ihren süßen Nektar auf die Zunge. Ich gehe auf. Doch ich verliere mich nicht. Ganz im Gegenteil. Der Wald schenkt mir seine Geheimnisse. Er stärkt mich. Gibt mir Kraft.
Ich steige auf.
Schweben. Vogelgezwitscher. Mein Kopf füllt sich mit Ideen. Ich bin ganz ich selbst.

Langsam, ganz langsam öffne ich die Augen. Hier sind keine Bäume, kein Gras, keine Blumen. Unter mir der kalte Betonboden. Die Ideen sind weggewischt. Meine Arme und Beine sind voll von Narben. Mein Kopf schmerzt. Die untergehende Sonne malt ein Schattenmuster auf mein Gesicht. Gitterstäbe.
Langsam setze ich mich auf. Außer dem Dröhnen in meinem Kopf bin ich völlig taub.
Die Tür öffnet sich. Da steht er wieder. Die Seile in der einen und das Leinentuch in der anderen Hand.
Ich bleibe sitzen. Er greift mir ins Haar. Zerrt mich auf die Pritsche. Fesselt meine Arme an die Wand.

Ich bin taub

Ich freue mich schon auf eure Kommentare!

Dienstag, 8. November 2011

Ist es Glück?

Ich schreibe sehr gerne Kurzgeschichten und wollte nun mal eure Meinung zur neuesten hören. Es ist wirklich eine Rohfassung und wird wohl auch noch weiter geschrieben. Mit dem Titel bin ich auch nicht zufrieden...zu einfach, es ist eher ein Arbeitstitel^^ Freue mich schon auf Kritik :)


Sie ging die Straße entlang. War das Glück, das ihre Brust so warm werden ließ? War das ihr Glück? Für sie bestimmt?
Unter ihren Füßen knisterte das Laub. Sie mochte dieses Geräusch. Ganz langsam und jeden Knacks einzeln aufsaugend schlich sie durch die Stadt. Ja, sie war frei. Endlich. Nach all den Jahren. Aber war es nun Glück?
Ein Mann kreuzte ihren Weg. Groß, bullig, finster drein blickend. Sie wich ihm aus und wechselte schnell die Straßenseite. War er das? Nein, das konnte nicht sein. Sie wusste wo er war und das war nicht hier! Zur Sicherheit blickte sie sich noch einmal verstohlen nach dem Fremden um. Nein, er war es wirklich nicht.
Die Stadt lebte. Es gab hier soweit mehr als bloß das knatternde Laub. So viele verschiedene Gerüche. Von irgendwo her wehte der Wind ein Kinderlachen zu ihr. In einer Nebenstraße stand ein Mann mit einer Quetschkommode und animierte die Leute zum Klatschen. Die Menschen sahen so glücklich aus. Man konnte es in ihren Gesichtern und ihren Gesten sehen. Ganz klar war es da. Fast greifbar. Doch war sie selbst glücklich?
Sie hatte diese Szenen bisher nur im Fernsehen gesehen. Ohne Gerüche und ohne die kalte Brise auf dem Gesicht zu spüren. Nun war es real. Vollkommener als sie es sich hätte erträumen können.
Sie ging weiter, die Melodie des alten Mannes noch im Kopf und ließ sich von einem süßlichen, beinahe klebrigen Geruch anlocken. Ja, das kannte sie ebenfalls aus dem Fernsehen. Eine rundliche Frau stand dort an der Ecke mit ihrer Zuckerwattemaschine. Es sah aus als würde sie kleine Wölkchen basteln. Sie wollte sie probieren. Doch als sie bereits in der Schlange stand fiel ihr wieder ein, dass sie für so etwas Geld brauchte. Geld, das sie nicht hatte.
Sie hatte nichts. Nur dieses wärmende Gefühl in der Brust. Sie war sich beinahe sicher, dass es Glück war. Doch wie hätte sie das mit Sicherheit sagen können? Wann war sie denn schon glücklich gewesen in ihrem bisherigen Leben?
Sie ging also weiter, ohne Zuckerwolke.
Langsam wurde sie müde. Fast wäre sie umgekehrt zu der alten Jagdhütte. Dort hatte sie wenigstens eine Decke und eine Pritsche zum Schlafen. Aber sie wollte ein neues Leben beginnen. Ohne diese Hütte, diese Pritsche und ohne ihn. Sie hatte all die Pein beendet. Nein, sie würde etwas anderes finden.
Sie sah sich um. In einer schmalen Gasse sah sie Licht. Ein kleines Feuer. Beim Näherkommen bemerkte sie, dass Menschen darum standen. Langsam und geduckt, immer auf Schläge vorbereitet huschte sie an das Feuer heran. Die Hitze taute ihre Glieder wieder auf. Bei all diesen neuen Eindrücken hatte sie gar nicht bemerkt wie sie eigentlich fror. Nur das warme Gefühl in ihrer Brust war da gewesen.
„Wer bist ’n du?“, grunzte sie ein Mann mit verfilztem Bart an. Reflexartig duckte sie sich und riss die Arme über ihr Gesicht. Doch es kam kein Schlag. Der Mann sah sie verwirrt an, zuckte die Achseln und wandte sich wieder dem Feuer zu. Sie tat es ihm gleich.
Ja, sie würde schon etwas finden. Sie hatte zwar kein Geld, aber immerhin dieses warme Gefühl. Ob es nun Glück war oder nicht.